Noga Shtainer: Wagenburg

Freelens: Noga Shtainer

bis 10.11.2016 Freelens-Galerie Hamburg
Noga Shtainer: Wagenburg – Near Conscious

Drei Jahre lange begleitet die Fotografin Menschen, die ihr schließlich Fenster und Türen zu ihrer kleinen intimen Welt öffnen. Das Ergebnis ihrer Serie »Wagenburg« enthält rätselhafte, träumerische Porträts, die eine Mischung aus kunstvoller Inszenierung und spontaner Momentaufnahme darstellen.
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Noga Shtainer: Wagenburg

Als Noga Shtainer 2010 aus Israel nach Berlin umzieht, streift sie aufmerksam durch die neue Stadt. Auf einem Ausflug entdeckt sie Leute, die in Bauwagen wohnen und einen alternativen Lebensentwurf verwirklichen. Die Fotografin ist sofort magnetisiert – als Außenseiterin in der Fremde fühlt sie sich dieser kleinen Gemeinschaft eng verbunden. Sie selbst ist in einem genossenschaftlich organisierten Moschaw, einer Art dörflicher Kommune von Kleinbauern, aufgewachsen. Also beschließt sie, die Bewohner der Bau- und Wohnwagen zu porträtieren. Kein leichtes Unterfangen – nur ungern gewähren diese Außenstehenden Zugang in ihr abgeschottetes Leben.

Noga Shtainer: Wagenburg - Near Conscious
Noga Shtainer: Wagenburg

Noga Shtainer: Near Conscious

Auch die zweite Arbeit zeugt von Noga Shtainers besonderen Fähigkeit des Porträtierens. An der Schwarzweiß-Serie »Near Conscious« hat sie zwölf Jahre gearbeitet. Als sie ein junges Mädchen ist, lassen sich ihre Eltern scheiden. Der Vater bekommt mit einer neuen Frau eine Tochter. Die Halbschwester Ella wohnt in ihrem alten Zimmer, hat die gleichen Möbel und wächst ähnlich wie sie selbst auf.
Noga Shtainer ist erst 15 Jahre alt, als sie beginnt, Ella regelmäßig zu fotografieren. Die Fotos ihres Langzeitprojekts erzählen in einfühlsamer Weise von Familie, Nähe und Identität und bedeuten zugleich eine Art Rückeroberung der eigenen Kindheit.

Noga Shtainer: Near Conscious
Noga Shtainer: Near Conscious

Noga Shtainer: Biografie

Noga Shtainer ist 1982 in Zefat/Israel geboren. Eigentlich will sie Schauspielerin werden. Als sie keinen Platz an der WIZO School of Art In Haifa bekommt, landet sie eher zufällig in der Fotoklasse. Nach ihrer Ausbildung und erfolgreichen Ausstellungen in ihrem Heimatland kommt sie als Fotografin nach Berlin, um sich fotografisch weiterzuentwickeln. In Berlin ist sie u.a. an der Ostkreuzschule in der Klasse von Ute Mahler. Das Porträt steht immer im Zentrum ihres fotografischen Schaffens. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Ausstellungen in Israel und Deutschland gezeigt worden. Noga Shtainer hat für ihre Porträtserien mehrere Preise erhalten und zwei Bücher publiziert.

FREELENS Galerie
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Montag – Freitag von 11.00 – 18.00 Uhr
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Archiv: F. Kunert Wunderland

Frank Kunert: WunderlandDen Betrachter erwartet eine seltsame Wirklichkeit. Frank Kunerts Fotos sind irritierend und witzig. Zuweilen bleibt einem das Lachen im Halse stecken: Balkons, die keinen Zugang haben; Sprungbretter auf Dächern; ein schummriger Straßentunnel, der in einer Kneipe mündet; hypermoderne Wohnhausarchitektur, die sich gnadenlos über eine triste, verschrammte Reihenhausanlage schiebt. Ein Museum zeitgenössischer Kunst, das zum Besuch einlädt. Aber wie das Foyer betreten, wenn die Eingangsstufen erst in unerreichbarer Höhe beginnen? (Bau-)Skandal! Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht!

Tatsächlich – die vorgeführte Wirklichkeit ist eine, die in dieser Weise nicht existiert. Erst bei genauem Hinsehen wird deutlich: es handelt sich hier um Modelle, die der Fotograf in minutiöser Kleinarbeit erbaut und in denen er seine Erfahrungen mit gebauter Umwelt auf die Spitze treibt. Am Ende übersetzt er die dreidimensionalen Illusionen mit der Großformatkamera in fotografische Bilder.

In der die Menschen umgebenden Architektur manifestiert sich am deutlichsten deren Lebensweise. Architektur ist eine Ausdrucksform menschlicher Entwicklungen, Hoffnungen, Visionen – aber nicht selten scheitert die Umsetzung im Alltag grandios und treibt seltsame Blüten. Gefundenes Fressen für den Fotografen – in seinen Arbeiten gibt Frank Kunert den Auswüchsen zivilisierten Lebens tiefgründigen Ausdruck.

Frank Kunert (Jahrgang 1963), selbständiger Fotograf, begann ab Mitte der 90er Jahre verstärkt mit dem Gestalten und Fotografieren seiner kleinen Welten. Damit hat er zahlreiche Preise gewonnen. Seine Arbeiten sind in vielen Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt worden. Im Verlag Hatje Cantz sind die Bestseller-Fotobücher »Verkehrte Welt« und »Wunderland« erschienen.

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